12.08.2026 Marburg – Gießen – Wetzlar – Weilburg – Limburg (+Frankfurt) 140 km

Heute habe ich meine im Juni geplatzte Lahntour nachgeholt (das Geld für den Totalausfall in der damaligen Nacht habe ich sogar schon erstattet bekommen!), habe aber Aufgrund der anhaltenden Hitze und des angesagten Ostwindes eine kurzfristige Planänderung vorgenommen. Statt von Siegen durch das Rothaargebirge zur Lahnquelle hinauf und den Fluss hinab zu fahren, wollte ich heute etwas weiter unten an der Lahn in Marburg starten und von dort den Lahntalradweg abwärts bis nach Limburg fahren. Eine vom Profil her leichte, aber doch sehr lange Strecke (es waren dann am Bahnhof Limburg 133 km) , welche ich mir bei den hohen Temperaturen vorgenommen hatte. Ich stellte mir eine idyllische Fahrt entlang der Lahn mit hübschen Städten und stillen Flusslandschaften vor und so war die Freude groß, ebenso wie die Spannung ob die Strecke in der geplanten Zeit zu bewältigen war.

Die Anreise klappte schon mal, ich nutzte wieder den Nacht ICE und kam nach Umstieg in Frankfurt schon kurz nach 7:00 Uhr, ziemlich müde, am heutigen Startort Marburg an. Ein Kaffee musste her, auch deswegen begab ich mich hinauf in die historische Altstadt der berühmten Universitätsstadt. Ich versuche ja immer vor Ort, an den schönsten Stellen der historischen Städte, bei Kaffee und Croissant einen ersten Blick auf eine mir bisher unbekannte Stadt zu bekommen. Doch heute hatte ich Pech, die Marburger Oberstadt lag noch im „Tiefschlaf“, nirgendwo war etwas zu bekommen keine Gelegenheit zum Sitzen, geradezu ausgestorben war es selbst um das historische Rathaus. Vielleicht ticken die Uhren in der Studentenstadt etwas anders, nachdem ich ein paar schöne Fotomotive dort gefunden hatte, fuhr ich schnell zur Lahn hinunter und musste wirklich auch dort nach meinem Anliegen fragen. Das Problem konnte so gelöst werden, ich hatte endlich mein Koffein und mein Gebäck, dazu Proviant und konnte gegen 8:20 Uhr starten.

Dort am Fluss bekam ich noch richtig schöne Fotomotive der, vom Marburger Schloss überragten, Stadt im Morgenlicht geschenkt, und war so schnell versöhnt. Auch der Radweg führte sehr schön aus der Stadt heraus zum Wehr, wo ich sogar einen Schwimmer beim Sprung in die Lahn beobachten konnte. Das wäre jetzt auch für mich ein toller Start in den Tag, doch ich musste erst einmal Kilometer machen um nicht unnötig in Zeitstress zu kommen. Das Bad im Fluss war auf jeden Fall schon mal vorgemerkt!


Von Marburg bis Gießen waren es schon fast 40 km und dieses erste Viertel wollte ich schnell absolvieren, um die Tagesplanung rechtzeitig zu steuern. Dabei kam mir entgegen, das der Lahnradweg mich nicht ständig durch Fotomotive ablenkte, sondern nach den ersten Kilometern hinter Marburg schon durch eine eher unspektakuläre offene Feldlandschaft führte. Der Fluss war nie weit weg aber auch nicht immer zu sehen. So kam ich schnell voran, durchquerte einige typische hessische Dörfer und erreichte Gießen schon gegen 10:15 Uhr. Spontan beschloss ich diese Stadt heute zu ignorieren und fuhr direkt weiter in das etwa 20 km entfernte Wetzlar weiter, wo ich meine erste Rast machen wollte.

Was für ein romantisches Ambiente, fand ich dort um die vom Wetzlarer Dom gekrönte Altstadt. In diese „taucht“ man direkt nach Überqueren der Alten Lahnbrücke ein (ein wenig ähnelte dieser Stadteingang an Hann. Münden). Begeistert streifte ich durch die Gassen und fand tolle Motive mittelalterlicher Fachwerkhäuser. Hier war auch Leben in der Stadt, gut es war ja Mittagszeit, die Stadt hatte jedenfalls etwas, was mich sofort begeisterte. Mir war Wetzlar bislang lediglich als Heimat der weltbekannten Kamerahersteller (Leitz/Leica) sowie für den Kesselbauer Buderus bekannt.

Nach der Spazierfahrt durch die Gassen war nun doch eine Rast zur Stärkung nötig. Dafür fand ich einen perfekt gelegenen Biergarten, direkt unterhalb der Lahnbrücke, sogar mit Domblick, hier musste ich bleiben! Es gab bayerisches Weissbier und eine kleine Brotzeit, mehr geht nicht, oder? Gegen 12:30 Uhr radelte ich jedoch schon wieder aus Wetzlar hinaus, über 60 km lagen schon hinter mir, doch der Weg war noch weit. Dieser enttäuschte mich hinter der Stadt auf den nächsten Kilometern bis hinter Solms erst einmal gründlich. Hier war Schluss mit der Radleridylle, durch langweilige Wohn-und Gewerbegebiete musste ich mich entlang vielbefahrener Straßen und sogar neben der Autobahn entlangquälen. Dazu brannte mir die Sonne genau auf den Körper, aber es wurde langsam besser. Ab Löhnberg erfüllte das Lahntal wieder meine Erwartungen.




In Weilburg hatte ich weitere 30 km ab Wetzlar hinter mir und fand an der Lahn mit Blick auf Schloss und Brücke ein schönes Plätzchen für eine weitere Rast. So stelle ich mir ein romantisches Flusstal vor! Und es wurde noch besser, die letzten ca. 40 km bis Limburg wurden die schönsten des ganzen Tages! Nun radelte ich endlich durch das schon lang erhoffte idyllische Flusstal, fernab lärmender Straßen. Lediglich die Bahntrasse begleitete zeitweise den Radweg. Jetzt war ich versöhnt mit diesem Tag und seinen Anstrengungen. Mehrmals musste die Lahn zwischen Villmar und Runkel überquert werden und von den Brücken gab es schöne Blicke in das Tal. Runkel mit seiner mittelalterlichen Burg und der historischen Steinbrücke war ein erneuter Blickfang und nun war es auch nicht mehr weit bis Limburg, ich war gut in der Zeit und beschloss an einer geeigneten Stelle das verdiente Bad im Fluss zu nehmen. Diese fand ich dann auch und genoss die erfrischende Strömung der Lahn am ganzen Körper. Der Fluss ist hier in seiner Mitte kaum einen halben Meter tief, jedoch seine Strömung ist enorm.


Nach den Rekordhitzetagen gibt es an Rhein, Weser und Elbe ja schon starke Einschränkungen der Schifffahrt, von diesem Drama ist an der Lahn kaum etwas zu spüren, hier wird weiter gemütlich gepaddelt und gebadet. Von daher war es auch ein Ausflug in eine scheinbar heile Welt, die Folgen der Trockenheit sind aber auch hier unübersehbar.
Erschöpft und glücklich kam ich überpünktlich am Limburger Bahnhof an, gerade fuhr ein Regio nach Frankfurt hinein (sogar einer früher als geplant) und ich war jetzt wirklich kaputt, die Sonne hatte den Tag dann doch am Ende zur Belastung werden lassen, es war wohl auch ein wenig zu viel, was ich mir vorgenommen und auch absolviert habe.


Die schöne Stadt Limburg, mit dem alles überragenden Dom, ignorierte ich heute ebenfalls, ich begab mich von der Alten Lahnbrücke direkt zum Bahnhof. Vor zwei Jahren begann in Limburg eine Regentour durch den Taunus bis Frankfurt (siehe Touren 2024), wo ich die Fachwerkidylle dort schon erleben durfte.


Mein gebuchter ICE ab Frankfurt hatte voraussichtlich, fast 1 Stunde Verspätung und da ich sowieso zu zeitig in der Mainmetropole angekommen bin, entschloss ich mich zu einer kleinen Radtour durch die Innenstadt, zum Main und zurück zum Bahnhof. Hier gibt es auch bei jedem Besuch Veränderungen im Stadtbild zu bestaunen, das wurde noch angeschaut und fotografiert und mein ICE fuhr doch wirklich mit einer Stunde Verspätung in den Hauptbahnhof ein. Das machte mich dann sogar froh, da ich schon um meine Heimfahrt bangte. Nun schließe ich diese Reportage, der wohl zweitlängsten je absolvierten Tages- Radtour gerade bei der Einfahrt in Leipzig, es ist 23:55 Uhr. Morgen muss ich glücklicherweise nicht arbeiten!