23.+24.10. 2026 Hildesheim und Umgebung

23.10.2026 Salzgitter – Hildesheim (44km)
Nach längerer Zeit bin ich an diesem Wochenende mit dem Rad mal wieder in Niedersachsen unterwegs, Grund dafür ein Geburtstagsgeschenk von meiner Schwester, das nun eingelöst werden sollte: Es handelte sich um einen gemeinsamen Fallschirmsprung vom Flughafen Hildesheim, der für diesem Samstag gebucht war.
Von einer früheren Radtour durch Hildesheim hatte ich noch eine detailreiche Radwanderkarte dieser Region und wollte, angeregt dadurch, schon lange mal wieder zum Radeln dorthin fahren. Mit dieser Einladung bot sich nun die Gelegenheit, ich konnte so beides verbinden und startete deshalb schon am Freitag morgen, um gleich eine erste Tour bei der Anreise nach Hildesheim zu unternehmen. Deshalb wollte ich in Salzgitter-Lebenstedt den Zug verlassen, um ab dort per Radl durch die Hildesheimer Börde bis hinein in die Stadt zu fahren. Damit wollte ich auch eine Lücke auf meiner Deutschlandkarte schließen. Die Wetterprognosen für die Region waren leider wenig verheißungsvoll, typisch herbstlich: Angesagt war bei stürmischem Wind aus Süden ein verregnetes Wochenende. Tage, ja Wochen vorher hatten wir überall in Deutschland trockenes und mildes Oktoberwetter… . So ein Pech, na nun hatten wir den Termin, ich musste das Wetter so nehmen, wie es kam.



Salzgitter erreichte ich nach Umstieg in Magdeburg und Braunschweig Punkt 12:00 Uhr, es zogen schon dunkle Wolken auf – aber noch war es trocken. Deshalb fuhr ich direkt zum Salzgittersee, von wo ich auf dem Radweg Berlin-Hameln bis zum Ziel Hildesheim radeln wollte. Der Einstieg war nicht ganz leicht zu finden, dann ging es aber hinein in das Panorama der Hildesheimer Börde, einer fruchtbaren Landschaft mit einem weiten Blick in alle Richtungen. Glücklicherweise war trotz der aufziehenden Regenwolken die Fernsicht noch sehr gut. Das war doch schon wieder richtig schön hier…, die aufgestapelten Zuckerrüben säumten vielerorts den Wegesrand, ich schaute auf die bewaldeten Höhen von Lichtenberg und Vorholz und durchquerte hübsche Dörfer, wie Lesse, Berel, Nettlingen, Wöhle und Ottbergen. Abgesehen von den Sattelschleppern, welche hier die Rüben abtransportierten und ganz wenigen Spaziergängern hatte ich den Radweg ganz für mich allein.



Den angekündigten Regen sah ich schon lange von Süden über das Vorholz auf mich zukommen, in Wöhle traf er mich dann. Auf einem schönen Rastplatz hinter dem Dorf stellte ich mich unter den Schutz der noch dichten Baumkronen und zog meine komplette Regenbekleidung an. Als ich weiterfuhr war es schon nach 14:00 Uhr und der Weg bis Hildesheim auch nicht mehr weit. Doch die Regenwolken wurden von dem stürmischen Wind schon bald weggeblasen und so fuhr ich schon eine Stunde später bei strahlendem Sonnenschein nach Hildesheim hinein, was für ein Tag… so habe ich das gern!

In der Stadt nutzte ich das schöne Licht für eine Fototour durch die Altstadt, gekrönt von einem Gang auf den Turm der Andreaskirche (höchster Kirchturm Niedersachsens) mitten im historischen Stadtkern. Was hatte ich für eine tolle Fernsicht in alle Himmelsrichtungen! Besser kann das Licht nicht strahlen, ich konnte sogar den etwa 60 km entfernten Brockengipfel im Harz ausmachen!




Doch dann gab es einen Anruf von meiner Schwester mit einer „schlechten Nachricht“: Aufgrund der Witterung sind die Flüge für den morgigen Samstag abgesagt, teilte sie mir betrübt mit. Ja, nun hatte sich der „arme“ Holger extra auf den Weg gemacht und dann war alles umsonst… . Innerlich jubelte ich, denn vor diesem Ersten (und Letzten!) Fallschirmsprung hatte ich schon echt „Bammel““. Puuh, diese Last wurde mir Dank Petrus fürs Erste genommen. So bezog ich entspannt mein Hotelzimmer und brach anschließend nochmals mit dem Rad zu einer Fototour durch die historische Altstadt auf.

Die Hildesheimer Innenstadt hat, wie viele andere deutsche Städte auch, durch die Bomben des Zweiten Weltkriegs tragischerweise viele architektonische Schätze verloren. Es ist hier, wie auch im benachbarten Braunschweig, eine fast komplette Fachwerkstadt in den Flammen untergegangen. Und so sinnlos, in Hildesheim war es im März 1945! Die ebenfalls zerbombten weltbekannten Kirchen wurden nach dem Krieg rasch wieder aufgebaut und so schaffte es die Stadt mit dem Dom und der Michaeliskirche sogar 1985 in die Liste des UNESCO Welterbe. Seit den 1990er Jahren können sich die Bewohner und Besucher auch wieder an dem, nach historischem Vorbild, wiederaufgebauten Marktensemble erfreuen.

24.10.2026 Hildesheim – Diekholzen – Gronau – Nordstemmen – Hildesheim (55km)
Nach einer stürmischen Nacht begann der heutige Samstag erneut regnerisch und windig, da ja der Fallschirmsprung abgesagt war, wollte ich dem Wetter mit einer Radtour rund um Hildesheim trotzdem Paroli bieten. Wir hatten ein Familientreffen im kleinen Kreis für 14.00 Uhr geplant, so bot sich an, die Zeit bis dahin mit dem Rad zu nutzen. Es gab mehrere Optionen für eine Rundfahrt um die Stadt, ich wählte eine sportliche Variante, welche mich hoch hinauf in den Hildesheimer Wald brachte und von dort hinunter in das Leinetal und final auf dem Radweg Berlin-Hameln zurück nach Hildesheim.


Start war gegen 10:00 Uhr bei leichtem Regen und böigem Wind, ich fuhr gleich mit der Regenbekleidung los und hatte auch nur eine leichte Fahrradtasche dabei. Das war mal richtig angenehm, sonst fahre ich ja auf meinen Tagestouren die ganze schwere Ausrüstung durch die Gegend. Aus Hildesheim radelte ich entlang der Innerste bis Marienburg, wo ich das Flusstal verließ um über Söhre und Diekholzen hinauf in den Hildesheimer Wald zu gelangen.


Dafür nutzte ich den schönen Radweg, der auf der Trasse der einstigen Kalibahn angelegt war. Radeln auf ehemaligen Bahnstrecken mag ich ja ganz besonders, darauf habe ich schon einige unvergessliche Fahrten absolviert. Die Steigungen sind einfach angenehm zu fahren, da die Trassen für den Bahnverkehr gebaut wurden. Heute waren es ca. 15 km, von denen nur die letzten 2 bis zur Passhöhe steiler waren (dann schon abseits der Bahntrasse). Ich befand mich nun auf fast 300 Höhenmetern, ab dort begann eine rasante Abfahrt hinunter nach Barfelde und weiter bis nach Gronau an der Leine. Das Wetter wurde zumindest nicht schlechter, dafür war ich schon dankbar, es blieb bei leichtem Nieselregen und starkem Wind. Dieser war ab Gronau endlich auf meiner Seite und half mir auf dem Rest der Fahrt.



Ab Gronau radelte ich dann, auf den schon vor einigen Jahren absolvierten Kilometern des Leine-Heide-Radwegs, dem Fluss folgend bis nach Nordstemmen. Hier verließ ich diesen Radweg und schwenkte nach Osten auf den Radweg Berlin-Hameln, auf dem ich die letzten 15 km bis Hildesheim zurücklegte. Ähnlich wie gestern führte dieser Weg zwischen den Feldern meist schnurgerade durch die Landschaft. Eine wirklich schöne Runde hatte ich mir da ausgesucht, sehr abwechslungsreich und auch bei diesen Bedingungen gut zu fahren!

Zurück in Hildesheim traf ich dann wieder auf die Innerste, wo ich neben dem Fluss den letzten Kilometer bis hinein in die Stadt fuhr. Mein Ziel erreichte ich pünktlich 13:30 Uhr, gerade noch Zeit für einen Kaffee und ein Croissant beim Bäcker. Nun schnell noch zum Hotel, Duschen, Umziehen und ab zum Treffen direkt am Marktplatz. Dort im Knochenhaueramtshaus verbrachten wir zu viert einen schönen Nachmittag bei gutem Essen und netten Gesprächen. Morgen geht es nach dem Frühstück wieder heimwärts.