01.10.2026 Scharnitz (Tirol) – Hochalmsattel – Hinterriß – Lenggries 75 km (ca. 1100 m hinauf, 1500 m hinab)

Heute wollte ich es noch einmal Wissen! Die wohl letzte Tour in diesem Jahr in den Alpen sollte an die schöne Frühjahrsfahrt zwischen Karwendel und Wettersteingebirge anknüpfen.
Als Startort wählte ich erneut Scharnitz in Tirol, das Ziel wollte ich erst unterwegs festlegen. Um genügend Zeit in den Bergen zu haben, nahm ich erstmals eine nächtliche An- und auch Abreise auf mich. Los ging es Gestern kurz vor Mitternacht ab Südkreuz per „ICE“ nach München. Mit diesem „Bummelzug“ bin ich schon mehrmals gefahren, er benötigt leider fast die doppelte Zeit als normal. Am Besten man verschläft einfach die Bummelei, doch das gelang mir diesmal nur in wenigen Intervallen. Nach Umstieg in München und Verspätung des Regio, stieg ich so trotzdem erst 10:45 Uhr müde und leicht genervt in Scharnitz aus dem Zug.

Das Wetter zeigte sich vor Ort von seiner Besten Seite und hellte meine Stimmung nach der langen Fahrt schnell auf. Ich bekam heute einen sonnigen, warmen Herbsttag mit meist perfekter Fernsicht geschenkt. Genau darauf hatte ich gehofft, denn die Fahrt war schon lange im Voraus gebucht. In Scharnitz versorgte ich mich noch schnell mit etwas Proviant, bevor es ohne den gewohnten Kaffee, direkt auf die Piste ging. Aus der Ortschaft fuhr ich zunächst auf bekanntem Weg entlang der Isar bis zum Abzweig in das Karwendeltal, wo mich gleich am Beginn ein längerer steiler Anstieg „begrüßte“. Dieser führte hoch hinaus über den Karwendelbach und bot schöne Blicke zunächst über die Isar und das Hinterautal und später in die Schlucht des Karwendelbachs.




Als dieser sportliche Abschnitt bewältigt war, näherten sich Weg und Bach höhenmäßig langsam an und es begann ein langes, moderates Teilstück, direkt neben dem Karwendelbach. Dort ergaben sich tolle Blicke, besonders auf die im Sonnenlicht leuchtenden Gipfel der Nördlichen Karwendelkette. Ich war begeistert, genau dieses Szenario hatte ich mir erhofft, rechts der rauschende Bach und darüber die imposante Bergkulisse. Das waren ca. 8 Kilometer entspannt zu fahrende Genussmomente, welche hinter der idyllischen Angeralm ein jähes Ende fanden. Dort kam auch der Hochhalmsattel erstmals in Sicht und das sah noch sehr, sehr hoch aus! Über 800 Höhenmeter sind ja schließlich auch nicht mal nebenbei zu machen!


Es wurde aber sogar noch anstrengender, als erwartet. Auf den wenigen letzten Kilometern führte die Strecke auf, gefühlt unzähligen, Serpentinen hinauf zum Pass. Diese waren für mich trotz Mountain-Bike teilweise zu steil, ich musste öfter mal schieben. Mein Radl ist auch immer viel zu schwer beladen, trotzdem ich heute schon um einiges reduziert hatte. Der Wille war jedoch ungebrochen dort oben anzukommen, als dann das auch Karwendelhaus erstmals in Sicht kam, sowieso. Es stand erschreckenderweise noch unglaublich hoch über mir… .


Auf dem Weg dorthin wurde das Bergpanorama natürlich immer spektakulärer, ich hielt gefühlt an jeder Kehre für einen Fotostopp an. So benötigte ich auch tatsächlich 3 Stunden für die ca.18 km ab Scharnitz und erreichte das Karwendelhaus auf 1765 m genau um 14:00 Uhr. Nachdem ich die Bergkulisse dort genüsslich „aufgesaugt“ hatte, gönnte ich mir Weißbier und Suppe in der spektakulär gelegenen Hütte, um diese Auffahrt zu feiern.




Von dort ist es nicht mehr weit zur Passhöhe auf dem Hochalmsattel, wo ich fasziniert auch erstmals auf die gegenüberliegende Tallandschaft schaute. Was für eine imposantes Panorama, das Karwendelgebirge ist wirklich wunderschön anzusehen. Keine Straßen, keine Skipisten und keine Lifte oder Seilbahnen verunstalten das Innere des größten Naturparks Österreichs. Ich fühlte mich erinnert an die Kulisse auf dem Komovi-Sattel noch vor wenigen Tagen in Montenegro. Aus den Bergwäldern drang das Röhren der Rothirsche bis hier hinauf, es war ja genau die Brunftzeit dieser Tiere.

Nach einem Stopp dort auf 1803 m, begann eine fast endlose, aber gefährliche Abfahrt auf schwierigen Wegen hinunter bis zum Kleinen Ahornboden auf 1450 m. Auf grobem und losem Gestein ging es durch die majestätische Berglandschaft steil hinab. Äußerste Vorsicht war hier geboten, ich wurde vorher noch von einem einheimischen Radler gewarnt, ob der Sturzgefahr an der Strecke. Entsprechend vorsichtig fuhr ich hinab, kam trotzdem mehrmals ins Rutschen und konnte Stürze nur mit dem schnellen Einsatz der Beine verhindern. Auch die Bremsen kamen dort an ihr Limit, die Scheiben wurden so heiß, dass ich mehrmals eine Pause zum Abkühlen einlegte. Momente die ich zum Genießen der Bergkulisse nutzen konnte.


Ab dem Kleinen Ahornboden wurde der Weg, welcher nun durch das Johannestal ebenso steil weiter hinab führte, etwas leichter zu fahren. Hier begann nämlich ein befestigter Schotterweg. Ich war erleichtert, ohne Reifenpanne und ohne Sturz, diese holprige Abfahrt bis hierher gemeistert zu haben. Dort auf der Alm bekam ich dann erstmals, mit der Birkkarspitze, den höchsten Berg des Karwendel zu sehen.
Kurz vor Hinterriß gab es mit der Johannesbachschlucht einen weiteren, unerwarteten, Höhepunkt zu bestaunen. Hier hatte sich der Johannestalbach, genau wie der Karwendelbach auf der anderen Seite, tief in das Gestein eingegraben.


Ab Hinterriß folgte ich der Landstraße dem Rißbach hinab bis zur Isar. Das waren die die ersten Kilometer auf Asphalt seit Scharnitz und eine wohltuende Abwechslung. Dabei überquerte ich unbemerkt die Grenze nach Bayern.
Der zuvor tosende Rißbach bietet auf seinen letzten Kilometern vor der Mündung in die Isar lediglich noch ein trockenes Flussbett. Die Ursache liegt in der Ableitung des Wassers zum nahen Walchenseekraftwerk. Ich staunte sowieso über die Wassermassen, welche über die Bäche immer noch aus dem Karwendel abfließen. Gletscher gibt es hier nicht mehr und seit Wochen beherrscht ja eine trockene Wärmephase die Alpen. Der ganze Sommer 2026 war auch hier im Gebirge deutlich zu warm und zu trocken.



Nun radelte ich auf dem Isar-Radweg zum fast leeren Sylvensteinstausee, wo in dieser schönen Kulisse eine letzte Rast eingelegt wurde. Abschließend fuhr ich diesen Radweg entspannt hinab bis nach Lenggries, das ich sogar noch bei Tageslicht erreichte. Lenggries hatte ich erst oben auf dem Karwendelhaus als Ziel ausgewählt. Ursprünglich wollte ich die klassische Karwendelrunde über die Fereinalm nach Mittenwald fahren, was aber mit einen erneuten beschwerlichen Anstieg verbunden wäre. Ich wählte aber als leichtere Variante, die weitere Abfahrt durch das Rißtal zur Isar. Mit dieser Entscheidung konnte ich zudem in Lenggries an den bereits absolvierten Isar-Radweg anknüpfen und die Isar somit „abhaken“. Auf meiner Deutschlandkarte ergibt so eine durchgehend geradelte Route zwischen dem Isarursprung in Tirol und der Flensburger Förde an der dänischen Grenze


Zufrieden blicke ich auf eine schwierige, kraftraubende Tour hinauf zum Karwendelhaus und eine gefährliche Abfahrt von dort zurück. Alles ist gut gegangen bei perfekten Wetterbedingungen. Heute habe ich mit 1800 m einen neuen persönlichen Hochpunkt mit dem Rad erklommen und einen ersten Alpenpass überquert. Was für ein schöner Tag, mit einem neuen Abenteuer in den geliebten Alpen!
PS: Die Rückfahrt ab München, war dann ein krasser Gegenpol zur Bergidylle. Auf dem Hauptbahnhof war angesichts, der „Wiesn“ Hochbetrieb, zudem fiel mein Zug aus und ich sah mich schon gestrandet in diesem unschönen Umfeld. Eine Übernachtung zu bekommen war wegen des Oktoberfestes und des Spiels der Fußball Nationalmannschaft zwecklos. Doch ich hatte Glück und fand einen weiteren ICE kurz vor seiner Abfahrt mit einem freien Fahrradstellplatz. Der fuhr allerdings in einem großen Bogen über Stuttgart und Frankfurt nach Berlin, doch das war mir in diesem Moment egal, Hauptsache ich komme irgendwie nach Hause. Das gelang tatsächlich, aber mit Verspätung erst um 9:00 Uhr am heutigen Freitag. Ich habe so mehr Zeit im Zug, als in der Bergen verbracht. Doch die gefühlt endlose Rückfahrt verschlief ich zum großen Teil und in Erinnerung bleibt ein traumhafter Herbsttag in den Alpen.