21.01.2026 Gehlberg – Schmücke – Arnstadt – Gotha (70 km)
Für heute hatte ich eine abwechslungsreiche Bergtour in den Thüringer Wald geplant und einfach auf gutes Wetter und einigermaßen annehmbare Straßenverhältnisse gehofft. Ich wollte von Gehlberg zur Passhöhe an der Schmücke hinauffahren und ab dort das noch fehlende obere Teilstück auf dem Gera-Radweg „abhaken“.

Glücklicherweise erwischte ich einen kalten, aber sonnigen, sogar wolkenlosen Januartag. Gehlberg erreichte ich nach Umstieg in Erfurt gegen 9:00 Uhr. Hier lag noch Schnee, doch die Straße hinauf zur Schmücke war geräumt und gut zu fahren. Im Ort machte ich vorher noch eine Kaffeepause beim Fleischer (dem einzigen offene Geschäft dort), dazu gab es erstaunlicherweise ganz frische, noch warme Krapfen! Diese köstliche Spezialität wird hier ausschließlich zur Faschingszeit gebacken. Anschließend fuhr ich die steile Rampe hinauf, denn ab dem Bahnhof sind auf ca. 5 km 350 Höhenmeter zu meistern. Diesen Anstieg kenne ich bereits, habe ihn im Juli 2023 schon einmal absolviert und bin damals sogar noch weiter hinauf bis zum Gipfel des Schneekopfs gefahren (noch mit meinem normalen Tourenrad, siehe Touren 2023).



Es ist aber auch mit dem Mountain-Bike immer noch ein Kraftakt, ich ließ mir Zeit und genoss die winterliche Berglandschaft. Schnell musste ich meine Steppweste und wenig später auch meine Strickjacke ablegen, so warm wurde mir dabei. Die Schmücke auf 916 Höhenmetern erreichte ich gegen 10:30 Uhr, Zeit für einen weiteren Kaffee im berühmten Berggasthaus. Als einziger Gast kam ich schnell mit der netten Wirtin ins Gespräch. Sie staunte nicht schlecht, dass sich jemand im Winter mit dem Rad (und noch dazu einzig mit Muskelkraft) hier hinauf wagte und den Gera-Radweg fahren wollte. Wir sprachen über die Streckenverhältnisse hier oben und sie riet mir den ausgeschilderten Radweg zu meiden. Dieser sei Aufgrund von Schnee, Eis und tiefen Rinnen durch die Loipen nur schwer zu bewältigen, ich sollte lieber bis zum Mönchhof den breiten Forstweg nehmen. Das tat ich auch und diese Passage erwies sich trotz einiger Eisfelder als sehr gute Entscheidung. So kam ich unfallfrei und entspannt am, ca. 180 Höhenmeter tiefer gelegenen, Mönchhof an. Vielen Dank für diesen wichtigen Tipp!



Ab dort begann der asphaltierte Abschnitt des Radweges auf der Zubringerstraße hinunter nach Elgersburg. Auch diese war perfekt von Eis und Schnee befreit, deshalb konnte ich diese kilometerlange steile Abfahrt richtig schön genießen. Diesen Spaß unterbrach ich nur für einen kurzen Abstecher hinauf zur Hohen Warte mit dem schon von weitem sichtbaren Karl-Eduard-Turm. Der historische Aussichtsturm war leider verschlossen, doch dieser Ort war perfekt für eine Brotzeit am Turm in der Mittagsonne.



Anschließend ging es rasant weiter hinunter über Elgersburg, vorbei an der markanten Burg, nach Geraberg hinein. Dort bekam ich endlich auch die Gera zu sehen (hier die Zahme Gera, beim Start in Gehlberg überquerte ich die Wilde Gera). Im hübschen Ortskern direkt am Flusslauf machte ich noch eine kurze Rast. Nun führte der Radweg, eher sanft aber sehr schön teils durch offene Flur, teils durch Wald hinunter über Angelroda und Plaue (hier vereinigen sich die Wilde und die Zahme Gera) nach Arnstadt hinein. Von Schnee und Eis gab es hier unten keine Spur mehr.
In den historischen Stadtkern fuhr ich durch das Riedtor noch vor 14:00 Uhr ein und hatte nach gut 40 km somit mein Minimalziel geschafft. Denn ab Arnstadt hatte ich den Gera-Radweg schon bis zur Mündung in die Unstrut absolviert. Deshalb kannte ich mich in der ältesten Stadt Thüringens schon aus und beschloss (um noch etwas Neues zu sehen), diesen Radweg zu verlassen und auf der Bach-Raderlebnis-Route in Richtung Gotha zu radeln.


Das erwies sich als eine sehr gute Wahl, denn von dieser Strecke boten sich weite Blicke in das Thüringer Becken. Hervorzuheben dort die fast allgegenwärtigen bekannten „Drei Gleichen“ genannten Burgen. Zunächst die Veste Wachsenburg, dann die Mühlburg und später auch die Burg Gleichen. Hinter Mühlberg ergab sich sogar ein Panoramablick zurück auf alle drei Burgen. Doch vorher durchquerte ich das hübsche Holzhausen und dahinter ging es noch einen sportlichen Anstieg, fast bis zum Fuß der Wachsenburg, hinauf. Dieser, schön in die Landschaft eingebettete, Radweg ist herrlich zu fahren, dort musste zudem ich sehr oft anhalten zum Fotografieren. Lediglich etwa einen Kilometer führte er direkt neben der Autobahn A4 entlang. Diese wird vor Wechmar überquert und man radelt weiter genüsslich bis nach Gotha hinein. Der letzte Abschnitt ist Teil des Radweges Thüringer Städtekette, also der dritte Radweg dieses Tages (Der Bach-Radweg ist ein Rundkurs, welcher ab Wechmar über Ohrdruf zurück nach Arnstadt führt).



Hier gab es sogar noch einen Blick bis zum Inselsberg, bevor ich den gleich im Süden von Gotha liegenden Bahnhof pünktlich und noch knapp vor dem Sonnenuntergang ansteuerte. Für die Stadt blieb heute keine Zeit mehr, denn ich musste die Zeit im Blick behalten um nach Umstieg meinen gebuchten ICE ab Erfurt zu bekommen. Gotha sehe ich mir auf einer künftigen Radtour entlang der Städtekette an. Für heute bin ich „gesättigt“ mit tollen Eindrücken und schaue auf ein fulminanten Wintertag zurück.

Die Beschilderung an der Strecke war überall sehr gut, ich brauchte kaum einmal in meine Karte zu schauen. Am Gera-Radweg gibt es sogar das vorbildliche Knotenpunktsystem, das ich beispielsweise in Holland, am Niederrhein oder auch in Bayern vorgefunden habe.
Nun befinde ich mich im ICE auf der Heimreise, der Zug wird Südkreuz fast pünktlich erreichen und ich verabschiede mich für heute;
Schön war’s jewesen!