Am Siebenschläfertag bei Rekordhitze durch Berlin

27.06.2026 Steglitz – Lustgarten – Friedrichshain – Spreebogenpark – Gleisdreieckpark- Steglitz  (38 km)

Die Spree am Jakob-Merscheid-Steg im Berliner Regierungsviertel

Schon seit nunmehr fast drei Wochen gab es keine neue Radtour über die ich schreiben könnte, erst hatte ich eine Woche Bereitschaft und dann kam diese geplatzte Tour vom 23.-24. 06. nach Hessen, auf die ich mich schon tagelang vorher gefreut hatte. Ich wollte mit dem Nachtzug nach Frankfurt fahren, dort morgens bei Sonnenaufgang eine Runde durch die Mainmetropole drehen und anschließend im Rothaargebirge zur Lahnquelle hinauf und ab dort weiter bis Marburg den Fluss hinab radeln. Doch zum wiederholten Mal musste ich am 23. Juni vom Südkreuz mit „hängenden Ohren“ wieder heimwärts radeln. Ich erwischte genau die Nacht mit dem totalen, bundesweiten Betriebsausfall der Bahn! Was für ein Pech…

Inzwischen hat Deutschland eine Hitzewelle, bisher unbekannten Ausmaßes, fest im Griff. Schon gestern wurden erste Allzeitrekordtemperaturen im Südwesten gemessen und heute erreicht diese Welle Berlin mit Temperaturen um die 40 Grad. Der Klimawandel gewinnt immer mehr an Dynamik, das Tempo dabei ist wirklich erschreckend!

Ich selbst kann damit ganz gut umgehen, sorge mich dagegen mehr um die Natur und das Stadtgrün. So nutze ich das Rad, wie gewohnt, auf meinem Arbeitsweg, genieße dabei den Morgen und schaffe auch locker den Heimweg in der Hitze, da ich geschätzt über 80% der Strecke im Schatten fahren kann (ein Bad im direkt auf meinem Weg liegenden Wannsee kann keine Erfrischung bieten, da das Havelwasser schon jetzt eine warme und trübe Brühe ist).

Am heutigen Samstag, habe ich mir eine kleine Radtour durch Berlin ausgesucht um die Menschen im Umgang mit diesen Temperaturen zu beobachten und Bilder davon lediglich in meiner Galerie Berlin-Jahreszeiten zu zeigen. Doch es ergaben sich am Ende doch genug Eindrücke für diese Reportage:

Ich startete ca. 13:00 Uhr direkt von Zuhause und fuhr auf gewohnter Piste über Südende, Südkreuz und den Gleisdreieckpark in Richtung Zentrum. Unterwegs staunte ich über die leergefegten Grünanlagen, so etwas sieht man ja zu dieser Jahreszeit sonst nicht. Selbst der vielgenutzte Park am Gleisdreieck war fast menschenleer. Am Potsdamer Platz gab es dagegen den gewohnten Touristenaufmarsch. Mein Ziel war jedoch die die historische Mitte, auch dort war es so voll wie immer. Nur mieden die Besucher die sonst so beliebten Liegeflächen am Humboldtforum, welche ungeschützt in der brütenden Sonnenstrahlung standen und nutzten dagegen lieber ein kühlendes Bad in den vorhandenen Springbrunnen, wie dem im Lustgarten. Hier legte ich den ersten Fotostop ein und erlebte vergnügte Kinder und auch Erwachsene, welche Spaß an diesem scheinbar auch genau für diesen Zweck errichteten Brunnen hatten. Hier kann man direkt durch das Wasser bis zur Fontäne „waten“, was für eine Freude bei diesen Temperaturen!

Berlin
Ein schnelles Foto und dann weiter…, niemand möchte bei diesen Temperaturen auf den sonst so beliebten Liegeflächen am Humboldtforum pausieren
Berlin
Anziehungspunkt für Jung und Alt ist dagegen der Brunnen im Lustgarten

Ich wollte aber noch weiter zum Volkspark Friedrichshain, nur eine kurze Fahrt über den Alex entfernt. Hier zog mich besonders der Märchenbrunnen an, wahrscheinlich der schönste Brunnen in ganz Berlin. Wie erwartet gab es dort Badende, sogar Sonnenanbeter und Schattensuchende in dieser Rotunde. Die Stimmung war hier wie auch am Wasserspielplatz, am Großen Teich und dem künstlichen Bachlauf im gesamten Volkspark ganz entspannt. Viele Kinder vergnügten sich dort und Familien fanden unter dem Schatten der alten Bäume einen kühlenden Platz.

Berlin
Am Märchenbrunnen findet man sogar noch vereinzelt Menschen, die sich genussvoll der prallen Sonne hingeben
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Kinderfreuden am Wasserspielplatz im Volkspark Friedrichshain (so ungefähr war es später bei auch mit den Enkeln im Garten)

Hier legte ich auch eine Rast ein, zurück ging es dann über die Landsberger Allee, die Torstraße und die Linienstraße (da gibt es eine wunderbare Fahrradstraße) zur Spree an der Friedrichstraße. Das Spreeufer bot weitere Motive, hier bin ich auch immer wieder gern, nur sonst weiter flussabwärts im Spreebogenpark. Die Passanten flohen in den Schatten dieser Betonwüste um das Bettina-von-Arnim-Ufer. Ich fand auch noch einen geschützten Platz zum „Verschnaufen“ am Spreeufer, schaute eine Weile dem regen Schiffsverkehr zu und fragte mich warum überall diese brutale Sichtbeton-Bauweise in dem Regierungsviertel ohne jegliche Bepflanzung realisiert wurde, einfach schrecklich! Die einzige positive Ausnahme ist tatsächlich das Bundeskanzleramt.

Berlin
Schatten und dazu die Füße im Wasser, mehr geht nicht im Regierungsviertel…
Berlin
Auch die Touristen auf den Schiffen schützten sich vor der Hitze
Berlin
Bei diesen Temperaturen bleiben sogar die sonst so begehrten Liegestühle am Spreebogen leer, alle Gäste sitzen im Schatten

Da fand ich selbst die etwas ungepflegt wirkenden Abschnitte an der Landsberger Allee vor den Plattenbauquartieren mit den direkt zur Straße angelegten breiten Grünflächen mit Baumreihen aus den 1980er Jahren sogar besser. Nur so kann, meiner Meinung die Stadt lebenswert bleiben. Berlin ist ja eine recht grüne Stadt mit abertausenden Straßenbäumen, ein entscheidendes Pfund für die Zukunft!  Auf deren Pflege und Erweiterung müsste von Seiten der Politik und der Öffentlichkeit sich noch viel mehr fokussiert werden. Es gibt ja sogar den Plan von einer Million neuer Stadtbäume, aber es ist bisher wie vieles in der Stadt eben nur ein Plan.

Was nützt all der großspurig verkündete Wohnungsneubau, wenn Berlin vielleicht in 20 Jahren hitzebedingt kaum noch als Lebensort taugt? Ich erlebe es ja täglich auf meinen Radtouren, sobald ich aus einem schattigen Abschnitt in eine ungeschützte Straße einbiege, gibt es einen regelrechten Temperaturschock.

Abschließend radelte ich der Spree folgend bis zur Gustav-Heinemann-Brücke und ab dort durch den Tiergarten und den menschenleeren Gleisdreieckpark zurück. Niemand war auch im Heinz-Balluschek-Park für ein Sonnenbad zu begeistern, die Spielplätze verwaist und schnelles Durchkommen hier die Devise an der fast schattenfreien Passage.

Berlin
Menschenleerer Park am Gleisdreieck, das habe ich hier noch nie gesehen

In unmittelbarer Nähe verbrachten wir dann auch gemeinsam und entspannt im direkt angrenzenden Garten der Kinder mit unseren drei Enkeln den Abend. Ich staune jedes Mal wieder über diese riesige Schrebergarten Kolonie mit mehreren tausend Parzellen zwischen Priesterweg, Vorarlberger Damm und dem Südkreuz. Genau wie die Straßenbäume gehören die Kleingärten inmitten der Stadt zu den Juwelen Berlins. Deren Schutz ist inzwischen sogar per Gesetz geregelt, ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Nachtrag vom 28.06.: Die 40 Grad Marke wurde in Berlin nicht gerissen, doch mit 39,8 Grad gab es heute einen Temperaturrekord in Tempelhof, in der Lausitz sogar fast 42 Grad.