01.07.2026 Lietzow – Glowe – Kap Arkona – Dranske – Wiek – Gingst – Samtens (99 km)
Im Gegensatz zu der Hitze der vergangenen Tage in Berlin, erwischte ich heute an der Küste einen angenehmen Tag. Teils war es sonnig, teils bewölkt und nur ganz vereinzelt gab ein paar Regentropfen bei Temperaturen um die 20 Grad. Also perfektes Wetter für eine längere Radtour an der Ostsee. Dafür entschied ich mich spontan, denn für meine ausgefallene Hessentour fand ich so schnell keine freien Fahrradstellplätze in den ICEs. Für eine Fahrt an die Küste benötige ich dagegen ja lediglich die Regionalzüge und erwartete für den heutigen Tag eine entspannte An- und Abreise damit. Genauso kam es auch, schließlich waren noch keine Ferien in Berlin und Brandenburg. In diesen kommenden Wochen kann eine Fahrt mit dem Rad im Regio schon extrem nervig werden und ich tue mir das dann erst gar nicht an.


Meinen Startort Lietzow erreichte ich gegen 9:40 Uhr, trank im hiesigen Strandimbiss am Großen Jasmunder Bodden einen Kaffee und anschließend ging es los. Ich wollte direkt am Bodden nordwärts radeln und nahm deswegen nicht den ausgeschilderten Radweg, sondern den Wanderweg, welcher durch den wunderschönen Hexenwald in der Semperheide auf und ab führt. Hier fühlt man sich ein wenig wie im Gebirge, mit dem Mountainbike war ich dort genau richtig, gerade wegen der unterschiedlichsten Wegbeschaffenheit.



Nachdem der meist mit Buchen bestandene Wald durchquert war, führte der Wanderweg nun direkt am Bodden nordwärts bis Glowe. Was für ein schönes Stück…, zwischendurch gab sogar einige kleine versteckte Badestellen. Kurz vor Glowe überquerte eine kleine Brücke die Enge zwischen Bodden und Spyker See, von der sich ein tolles Panorama in beide Richtungen ergab.


Das zwischen Bodden und Ostsee gelegene Glowe erreichte ich gegen 11.30 Uhr, musste dort erst einmal Proviant auffüllen, bevor ich den Ostseestrand ansteuerte. Der schöne breite Sandstrand, hier beginnt die kilometerlange schmale Landzunge der Schaabe, lud mich sofort zu einem Bad im Meer ein. Nur ganz wenige Menschen waren am Strand, von den ohnehin nur wenigen Strandkörben waren nur die aller wenigsten besetzt. Im Wasser war niemand, bis jetzt! Ich genoss das kühle Meerwasser in vollen Zügen, konnte sogar ein super Schwimmtraining in dem ruhigen Wasser absolvieren und hatte dabei schon den nächsten Glücksmoment des Tages. Dort legte ich dann auch gleich die erste Brotzeit ein und radelte anschließend über die Promenade aus dem kleinen Ostseebad hinaus auf dem Radweg unweit der Straße, durch einen trockenen Kiefernwald, auf der Landzunge nach Norden zum Seebad Breege-Juliusruh.


Bevor es noch weiter in Richtung Norden ging, fuhr ich auf einen kleinen Abstecher zum Breeger Boddenhafen und schaute kurz zum Ostseestrand in Juliusruh. Dann machte ich mich auf den Weg zum geografischen Höhepunkt der heutigen Tour, dem legendären Kap Arkona. Ab Juliusruh führte ein wunderbarer, aber viel frequentierter Radweg mit weiten Blicken über das Meer, direkt an der Steilküste entlang. Deshalb musste ich oft anhalten, schauen und fotografieren, weshalb es auf dem Abschnitt etwas länger dauerte. Dort steht man ungeschützt direkt an der Abbruchkante und muss natürlich sehr vorsichtig sein. Genau wie an der bekannten Kreideküste im Nationalpark Jasmund bei Sassnitz, nagt auch hier die oft tosende See an der Kante und es gibt immer wieder Abbrüche. Auch gönnte ich mir noch einen Schlenker hinunter in das Fischerdorf Vitt. In diesem romantischen Ort trafen sich viele Radler, dem entsprechend gab es Lokale und Läden.




Nun waren es lediglich noch zwei Kilometer hinauf zum Kap, die Leuchttürme waren schon zu sehen. Inzwischen war es fast 14:00 Uhr und Weg war noch sehr weit, so begab ich mich relativ schnell aus dem Trubel um die berühmten Leuchttürme (eines der Wahrzeichen der Insel Rügen) durch Putgarten in die Stille und Einsamkeit der Halbinsel Wittow.


Diese wollte ich von der Ostküste am Kap bis zur Westküste in Dranske durchqueren. Dabei fuhr ich ohne viel Ablenkung schnurstracks durch die von Getreidefeldern geprägte Landschaft. Dranske war für mich ein kleiner Umweg, den ich aber in Kauf nahm, um das Panorama zwischen dem Wieker Bodden, der Halbinsel Bug und hinüber nach Hiddensee mit dem bekannten Leuchtturm auf dem Dornbusch zu sehen. Dort am Beginn des Bug gab es einen schmalen Steinstrand, an dem ich meine zweite Rast verbrachte.


Inzwischen war es schon 15:20 Uhr und es wurde höchste Zeit für das Restprogramm, zuerst musste ich ein paar Kilometer zurückfahren, bevor es am Wieker Bodden direkt am Ufer südwärts durch Wiek bis zur Wittower Fähre ging. Nach der Überquerung der Enge zwischen der Wittower Südspitze und der Hauptinsel mittels dieser Fähre, begann der Endspurt zum Bahnhof Samtens. So schnell ich konnte, radelte ich dort auf der Landstraße über Trent und Gingst (abgesehen von dem abkürzenden separaten Radweg vor Gingst) durch den Westen der Insel. Ziel war, den nur stündlich verkehrenden Zug in Samtens nach Stralsund um 17:37 Uhr zu schaffen. Das gelang mir tatsächlich, genau 5 Minuten vor Abfahrt kam ich nach nunmehr 99 Inselkilometern erschöpft dort an.


Das war nicht die letzte Option, aber doch für eine schnelle Heimkehr schon angenehmer. Schließlich musste ich am nächsten Tag wieder um 04:00 Uhr aufstehen. Nach Umstieg in Stralsund sitze ich gerade im Regionalzug nach Neustrelitz, wo ich nochmals umzusteigen habe. Gerade fährt dieser Zug in Neubrandenburg ein, wo ich diese Reportage beende.
Nachtrag: Auch dieser überaus knappe Umstieg (3 Minuten, wer denkt sich so etwas aus, da dort auch noch durch den Tunnel der Bahnsteig gewechselt werden musste?) klappte. Alle Umsteiger rannten wie verrückt dort von Bahnsteig zu Bahnsteig, der Zug nach Berlin wartete auch keine Sekunde länger (ich weiß nicht einmal ob das alle geschafft haben). Diese Taktung war von der Bahn eine Rücksichtslosigkeit Erster Güte! Jedenfalls erreichte ich gegen 21:30 Uhr den Bahnhof Südkreuz nach diesem erlebnisreichen Tag auf Rügen.