Traumtag zwischen Karwendel und Wettersteingebirge

18.03.2026  Scharnitz – Isarursprung – Mittenwald – Garmisch-Partenkirchen (52 km)

Nach der letzten, geglückten Tour am Inn waren meine Sinne auf eine schnellen „Zugabe“ im Alpenland zwischen Tirol und Oberbayern gepolt. Schon kurz danach hatte ich mir die Fahrkarte für die heutige Tour gebucht, in der Hoffnung auf ähnlich gutes Wetter wie im Februar. Ich erwischte tatsächlich schon wieder einen perfekten Vorfrühlingstag im Alpenland (die Tage zuvor hatte es dort noch Schnee und Regen gegeben).

Isar
Die Isar im Hinterautal oberhalb von Scharnitz mit Arnspitze (2196) und Achterköpfen

Heute fuhr ich an die Isar, diesem schönen wilden Alpenfluss, den ich schon ab Lenggries bis zur Mündung in die Donau „abgefahren“ habe. Als Startort hatte ich mir den Tiroler Ort Scharnitz ausgesucht, wo der Isar-Radweg offiziell beginnt. Scharnitz erreichte ich mittels Nachtzug nach München und dortigem Umstieg nur einigermaßen ausgeschlafen gegen 9:30 Uhr. Dort brauchte ich erstmal Kaffee, weshalb der Halt beim hiesigen Bäcker unvermeidlich war.

Isar
Blick hinunter zur Isar mit Sonnenspitze (2668), Roßlochspitze (2538) und Brantlspitze (2626)

Der Plan für den heutigen Tag war allerdings nicht dem Fluss hinunter bis Lenggries zu folgen, mir war mehr nach einer richtigen Bergtour. Zunächst direkt hinein in das Karwendelgebirge, dafür folgte ich ab Scharnitz der Isar hinauf in das Hinterautal. Dort hüpfte mir das Herz gleich höher, angesichts dieser wunderschönen Flusslandschaft in absoluter Stille. Das war echt eine gute Wahl, ich hatte viel Freude bei unzähligen Fotostopps, am und über dem türkisfarbenen Fluss zwischen den hochragenden Karwendelgipfeln. Dabei wurden Erinnerungen an unsere vielen Wandertouren in den Schweizer, italienischen, französischen und österreichischen Alpen wach. Das Mountain-Bike war in diesem langgezogenen Tal sogar die weitaus bessere Wahl, zu Fuß wäre das allein eine Tagestour gewesen.

Oberer (2502) und Unterer Spitzhüttenkopf aus dem Hinterautal
Die junge Isar vor dem Hohen Gleirsch (2492)

Nach einem ersten längeren Anstieg fand ich mich schon bald hoch über der Isar an einem Aussichtspunkt mit grandioser Sicht hinunter zum Fluss und auf die Berge. Ab dort ging es meist moderat auf und ab, bis ich wieder das Niveau der Isar erreicht hatte. Auch hier gab es überall die weiten Schotterbänke und Inseln, welche einen natürlichen Alpenfluss ausmachen und eine wahre Bilderbuchkulisse bilden! Glücklicherweise war der Weg hier oben geräumt, allerdings nur bis zur letzten Alm. Doch ab dort (es fehlten lediglich noch 3 km bis zum Isarursprung!), war keine Weiterfahrt möglich. Ich musste vor den nassen Schneemengen kapitulieren und mich auf den Rückweg machen. Das fand ich aber gar nicht so schlimm, da ich schon so weit hinauf gekommen war – weiter als gedacht. Im Hochgebirge muss man die natürlichen Gegebenheiten einfach hinnehmen und sich darauf einstellen.

Endstation kurz vor dem Isarursprung (rechts der Weg, wo ich kapitulierte)
Ritual in den Alpen, hier habe ich schnell mal zwei Steinmandl aufgestellt

So ging es auf dem selben Weg wieder hinunter nach Scharnitz, unterwegs setzte ich noch eine kleine temporäre Markierung in das Flusstal. Wenn ich mit meiner Elke in den Bergen unterwegs bin, gibt es bei jeder Tour das Ritual des Baus einer Steinmandl-Gruppe oder eines Turmes aus dem vorhandenen Geröll. Das entwickelt sich dann oft zu einem Wettbewerb unter uns, wo wir alles um uns vergessen. Allein macht das natürlich weniger Spaß und ich beschränkte mich deshalb auf zwei kleine Steinmandl direkt an der Isar.

Isartal unterhalb von Scharnitz, schon auf bayerischer Seite mit Signalkopf und Schöttelkarspitze (2050, Karwendelvorgebirge)
Blick von dort hinauf zum Karwendelkamm mit Gerberkreuz (2303) und Sulzleklammspitze (2322)

Zurück in Scharnitz, folgte ich zunächst dem Isar-Radweg hinab, bis in das hübsche Städtchen Mittenwald. Dabei gab es aus dem Tal auf dem ganzen Weg schöne Blicke hinauf in die direkt hinter der Isar aufragenden, schneebedeckten Gipfel des westlichen Karwendelgebirges. In Mittenwald gönnte ich mir am Obermarkt, einem ganz besonderem Ensemble mit typisch bayerischen Häusern voller farbenfroher Fassadenmalereien (Lüftlmalerei), die nächste Kaffeepause im schönsten Sonnenschein.

Die Isar in Mittenwald unter den imposanten Karwendelköpfen (2357)
Typische Fassadenmalerei im Ortskern von Mittenwald

Anschließend verließ ich den Isar-Radweg für heute und begab mich hoch hinauf durch die Buckelwiesen in ein idyllisches Almland mit unglaublichem Panoramablick zwischen Karwendel, Wetterstein- und Estergebirge. Was für eine Kulisse, auf ca. 1000 Höhenmetern legte ich an der höchsten Stelle des Weges eine weitere Rast ein und schaute, schaute und schaute… .

Blick über den Schmalensee zum Estergebirge mit dem Krottenkopf (2086) in der Bildmitte
Buckelwiesen vor dem Karwendel mit Wörner (2476), Tiefkarspitze (2430) und Karwendelköpfen
Am höchsten Punkt über den Buckelwiesen, rechts am Weg mein Rastplatz

Der Blick reichte westwärts über die Wettersteinwand sogar bis zur markanten Alpspitze und der Zugspitze (das erste Mal das ich Deutschlands höchsten Berg erblickte!).  Diesen Rastplatz erkor ich augenblicklich zum Höhepunkt der heutigen Radtour, hier machte ich mir gleich ein Weißbier auf, um diesen Genuss zu feiern.

Blick von dort nach Westen auf die Silhouette der Wettersteinwand und ganz rechts am Horizont sind sogar Alpspitze und Zugspitze auszumachen
Hochblassen (2706), Alpspitze (2628), Zugspitze (2962) und Riffelwandspitze (2625) im Fokus
Isar
Kapelle Maria Rast auf dem Höhenweg vor dem Estergebirge
Blick zum Karwendelvorgebirge mit Feldernkopf (2071) und Reißende Lahnspitz (2210)

Ab dort fuhr ich steil hinab nach Krün und abschließend rauf und runter über Klais und Kaltenbrunn bis nach Garmisch-Partenkirchen. Auf den letzten Kilometern vor dem berühmten Wintersportort konnte ich mich noch über eine tolle Abfahrt, bis hinein in die Stadt, freuen. Für Garmisch blieb heute keine Zeit, ich begab mich direkt zum Bahnhof (die Gipfel hatten sich inzwischen auch komplett in Wolken gehüllt) und befinde mich nun nach Umstieg im München auf der Heimreise kurz vor Bamberg.

Mein erster Blickfang bei der Ankunft in Garmisch-Partenkirchen war die Große Olympiaschanze (die Gipfelkulisse war bereits von Wolken verhüllt)
Sonnenuntergang zum Abschluss dieses erlebnisreichen Tages beim Umstieg am Münchner Hauptbahnhof, Blick vom Bahnsteig zur Hackerbrücke

Ich blicke auf einen spektakulären Tag in den Bergen zurück, der meine Erwartungen sogar übererfüllt hat. So war ich heute das erste Mal mit dem Rad richtig tief in den Alpen unterwegs, habe dabei mit ca. 1200 Höhenmetern die bisher höchste Stelle passiert und einen neuen südlichsten Punkt auf meiner Radkarte gesetzt (der allerdings noch entlang der Isar bis Lenggries mit dem Netz verbunden werden muss). Trotz der weiten Anreise sind die Alpen für mich inzwischen sogar für eine Tagestour Erste Wahl und an Tagen wie diesen unvergesslich schön.

PS: Es wird wohl nicht lange dauern bis ich das nächste Mal hierher fahre….