28.12.2025 Auf dem Zschopautal-Radweg von Annaberg-Buchholz über Zschopau nach Flöha (68 km)

Für die letzte Radtour des Jahres hatte ich mir das Sächsische Erzgebirge ausgesucht. Hier war ich in diesem Jahr noch gar nicht und da ich die beiden Muldearme (zusammen mit der Zschopau die wichtigsten Flüsse aus diesem Gebirge) schon „abgehakt“ hatte, nahm ich mir heute den als „Königsweg“ geltenden Zschopautal-Radweg auf einem ersten Teilstück vor.
Für den Start wählte ich Annaberg-Buchholz, die historische Bergstadt, mitten im Gebirge aus. Diese Stadt ist die Heimatstadt meines Urgroßvaters Otto Beyer (Namensgeber meines Online Archivs) und besonders meine Mutter hatte zeitlebens an ihren Opa die besten Erinnerungen. Mit ihr war ich auch das letzte Mal im Jahr 2010 in Annaberg, also höchste Zeit für eine Fahrt dorthin!

Annaberg erreichte ich nach Umstieg in Leipzig und Chemnitz gegen 9:40 Uhr. Es war kalt und trübe dort, schlimmer das die Wege und Straßen teils spiegelglatt waren. Das bemerkte ich schon bei meinen ersten Schritten am Bahnhof. Hier war also höchste Vorsicht geboten! Meinen Plan zunächst eine Kaffeepause am Marktplatz einzulegen, ließ ich auf Grund der örtlichen Bedingungen sofort fallen und begab mich gleich vorsichtig über den Stadtteil Frohnau aus der Stadt. Am berühmten Frohnauer Hammer gab es noch einen Halt (auch hier war alles spiegelglatt), dann fuhr ich den ersten sportlichen Anstieg des Tages hinauf, um vom Annaberger Tal hinüber in das Zschopautal in Schlettau zu gelangen. Doch schon bald erkannte ich, das mir dort oben die erhoffte Panoramasicht auf Annaberg mit dem markanten Pöhlberg heute leider im Hochnebel verborgen blieb, schade!


So radelte ich vorsichtig die Abfahrt hinunter nach Schlettau, wo ich direkt am Fluss dem Zschopautal-Radweg, wie geplant, flussabwärts folgte. Die ersten Kilometer bis Wolkenstein waren rückblickend wahrscheinlich die leichtesten und entspanntesten. Denn es ging hier meist auf Schotterwegen durch den Wald und kleine Ortschaften, direkt am oder über dem Fluss durch eine wilde Gebirgslandschaft. In der Gemeinde Tannenberg merkte ich auch gleich welch wichtige Rolle heute der Belag des Weges spielt, bei einem kurzen Fotostop konnte ich kaum mein Rad abstellen und lag dann auch schon längs auf dem Bürgersteig. Das fing ja gut an…, auf meinem Mountain-Bike fühlte ich mich sogar sicherer als zu Fuß. Straßen-oder Gehwegpflaster (ob alt oder glatt und neu) waren heute der gefährlichste Untergrund überhaupt! Erstaunt musste ich mehrmals feststellen, das die nagelneuen Reifen bei Anstiegen auf dem Eis über dem Pflaster einfach durchdrehten, das kannte ich noch nicht. Asphalt war da eindeutig die bessere Wahl.

Hinter Tannenberg bekam ich nach einem Anstieg hinauf an die Vogelhöhe doch noch einen Panoramablick zurück auf Annaberg im Dunst. Eine kleine Entschädigung, für die ich gerne für einen Stop einlegte. Ab dort fuhr ich hinunter in das Zschopautal über Wiesa nach Wiesenbad.



Nachdem ich die Stadt Wolkenstein mit dem hoch über dem Zschopautal gelegenen Schloss passiert hatte, folgte ich dem markierten Zschopautal-Radweg hinauf hoch in die Gebirgslandschaft bei Drebach. Dieser Anstieg hatte es in sich, hier waren Steigungen von 10 % zu meistern und das auf einem längeren Abschnitt. Dafür war das inzwischen etwas aufgeklarte Bergpanorama dort oben wirklich schön anzusehen. Bis nach oben bewegte ich mich relativ sicher auf der asphaltierten Landstraße, doch die Abfahrt führte über gepflasterte Radwege und gefrorene Waldwege. Dort passierte dann auch das fast Unvermeidliche, ich konnte mein Rad nicht mehr kontrollieren und fiel nach links auf den gefrorenen Acker neben der Fahrbahn. Mein Tempo vor dem Sturz war moderat und durch mein Steuern weg vom gepflasterten Radweg, fiel ich fast schmerzfrei auf die linke Seite in das Feld. Glück gehabt, dem Rad ist auch nichts passiert, so ging es vorsichtig weiter durch die Einsamkeit dort oben. Ich dachte wenn du hier irgendwo schwer verunglückst, findet dich so schnell kein Mensch… . So war ich voller Konzentration und Adrenalin, konnte keinen Gedanken an Pause oder gar Essen verschwenden, so ging es den ganzen Tag weiter bis zum Ziel.


Die Krönung war dann noch, als ich im Wald dort oben keinen Radweg mehr ausmachen konnte und einfach nach Gefühl den naheliegendsten Wanderweg hinunter in das Zschopautal bei Scharfenstein nahm. Glücklicherweise sah schon bald im Tal Häuser und folgte diesem, wohl steilsten Pfad, den ich je auf dem Rad absolviert hatte, hinunter zum Fluss. Ohne Mountain-Bike hat man hier verloren… . Auf dem Weg hinunter ergaben sich schöne Blicke hinüber zur Burg Scharfenstein, welche dort über dem Fluss thronte. Über den Fluss fuhr ich dann den nächsten langen Anstieg hinauf in den Wald bei Wilischthal. Doch nun war es nicht mehr weit bis nach Zschopau, wo ich eine Abfahrt zum Verschnaufen geschenkt bekam, bevor schon bald hinter der Stadt ein erneuter langer Anstieg nach Krumhermersdorf und weiter bis nach Waldkirchen begann. Ab hier nutzte ich weiter die Landstraße, ich fühlte mich dort einfach sicherer auf dem Asphalt. Auf diesem Weg passierte ich nach dem nächsten Anstieg auch die Stadt Augustusburg, mit dem schon weitem sichtbarem Schloss.


Von dort war es nun nicht mehr weit bis zum Tagesziel Flöha, ich war sogar gut in der Zeit, trotzdem kam ich nicht auf die Idee auf eine Pause oder zum Essen. Nun war ich auch körperlich und mental am Limit, bis Flöha führte dann glücklicherweise eine ca. 5 km lange Abfahrt hinunter. Dort sah ich dann endlich (nach 20 km) auch die Zschopau wieder. Hier konnte ich beim Warten am Bahnsteig endlich „durchschnaufen“ und die Anspannung fiel vom Körper… .


Was für ein Tag…, Erinnerungen an die schwere Vogtlandtour Anfang diesen Jahres (ebenfalls mit Sturz) kommen auf! Wie dort hatte ich heute mit Blitzeis zu kämpfen, viele lange Steigungen zu meistern und heute zudem mein Handy irgendwo verloren. Der Zschopautal-Radweg gilt wohl zurecht als „Königsweg“ des Erzgebirges, nur sollte man vielleicht das „tal“ im Namen streichen. An der Zwickauer oder der Freiberger Mulde lässt es sich entspannter durch das Gebirge radeln. Hier, an der Zschopau, warten einige Herausforderungen (aber auch Belohnungen) auf den Radler, gerade im Winter.
Nach Umstieg in Dresden bin ich nun per IC wieder zu Hause angekommen und blicke auf einen echten Abenteuertag im winterlichen Erzgebirge zurück, solche Tage liebe ich, die bleiben im Gedächtnis!
Nachtrag am 01.01.2026: Hurra mein Telefon ist wieder da! Ich hatte es gleich beim Start an der Erzgebirgshütte in Frohnau (an der abgebildeten Pyramide) verloren, ein ehrlicher Finder hat es mir per Post zugeschickt und es ist schon am gestrigen Silvestertag hier angekommen, was für ein Glück zum Jahresabschluss! Vielen Dank an den netten Herrn aus Pockau-Lengefeld.