Fototour durch den winterlichen Berliner Westen

Erster Teil am 04.01.2026: Steglitz – Grunewald – Tiefwerder – Spandau -Eiswerder – Haselhorst (40 km)

Berlin
Winterlicher Grunewald

Was für ein Jahresauftakt! Nach dem verregneten Silvestertag ist der Winter in Berlin eingekehrt. Seit gestern hat es geschneit und heute habe ich mir spontan mein Mountain-Bike geschnappt und bin direkt nach dem Frühstück von zu Hause gestartet.

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Am Grunewaldsee

Von Steglitz ging es über Dahlem in den Grunewald hinein, in eine traumhafte Winterlandschaft. Dort lag der Schnee noch höher als bei uns, die Bäume waren tiefverschneit (für Berliner Verhältnisse), zudem gab es ab und an etwas Sonnenschein.  Auf den Straßen und Radwegen in der Stadt ist überall höchste Vorsicht geboten, aber im Wald ist das Fahren auf der geschlossenen, knirschenden Schneedecke ein großes Vergnügen. Viele Spaziergänger sind dort ja immer unterwegs, ich habe heute auch Skifahrer gesehen und einige Mountain-Biker, welche diesen Tag genauso genossen.

Schloss Grunewald

Neben dem sportlichen Erlebnis ging es mir aber auch darum, die schönsten Wintermotive dieses Tages an der Strecke fotografisch festzuhalten. Solche Wintertage gibt es ja immer seltener in Berlin! Ich steuerte zuerst den Grunewaldsee und das Jagdschloss Grunewald an. Dort waren natürlich viele Menschen, alle aber so wie ich auch, bestens gelaunt und es gab nur freundliche Blickkontakte.

Am schon von einer leichten Eisschicht bedeckten See hielt ich für die erste Fotopause am Strand, hier hinunter rodelten die Kinder. Die Sonne tauchte den See kurzzeitig in ein wunderbares Licht, ein wirklich schöner Ort im Grunewald! Weiter ging es dann nach Unterquerung der AVUS in den viel größeren Teil des Waldes, welchen ich bis zum bekannten Grunewaldturm an der Havelchaussee durchquerte. Die Schneemengen nahmen hier noch leicht zu, es ging rauf und runter mit größter Freude durch den wie verzauberten Berliner Winterwald (gefühlt wie durch eine Mittelgebirgslandschaft).

An der winterlichen Havelchaussee
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Grunewaldturm

Am Turm angekommen, konnte ich natürlich nicht ohne den Aufstieg zur Turmspitze und dem Panoramablick von dort, nach Westen mit der Havellandschaft und nach Osten über den Teufelsberg in die Innenstadt weiterfahren. Es war ganz wunderbar dort oben, ich war schon öfter dort, aber noch nie im Winter. Der Blick in Richtung Spandau, nach Westend und sogar die Fernsicht bis zur Skyline der Stadtmitte am Horizont war klar.

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Blick vom Turm über den Winterwald zum Teufelsberg
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Berliner Skyline von dort

Anschließend ging es vom Turm steil hinunter zum Havelufer auf einem Wanderweg, wo ich im untersten Teil sogar mein Rad über hohe Wurzeln tragen musste. Nun folgte der nächste schöne Abschnitt direkt am Havelufer, in Richtung Postfenn über die Badestelle am Kuhhorn und die Halbinsel Schildhorn, immer mit großem Spaß durch den Schnee. Am Schildhorn legte ich die zweite Pause ein, hier an der Spitze der Halbinsel gibt es ja an der Badestelle ein schönes Havelpanorama hinüber in die Scharfe Lanke nach Pichelsdorf und Westend zu bestaunen.

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Havelufer am Kuhhorn

Ab dort musste ich leider die vereiste Havelchaussee bis zur Stößenseebrücke nutzen. Diese Straße war gefährlich zu fahren, selbst die Autos waren nur ganz langsam unterwegs. Warum schafft es die Stadt nicht eine solch wichtige Straße zu streuen?  Ich versuchte an der Alten Liebe weiter am Ufer zu fahren, jedoch vergeblich, weil dort eine lange Reihe von Bootsclubs und privaten Grundstücken beginnt.

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An der Stößenseebrücke

Die Brücke erreichte ich über die spiegelglatte Piste glücklicherweise sturzfrei und machte dort den nächsten Fotohalt. Weiter nordwärts radelte ich nun durch die Murellenschlucht in den Spandauer Ortsteil Tiefwerder. Von früheren Radtouren kannte ich dieses Kleinod schon und wollte es auch einmal im Winter erleben. Dieser Abstecher hat sich richtig gelohnt! Durch den tiefen Schnee ging es bis zur Spitze an den Havelwiesen nach Klein-Venedig. Was für eine Winteridylle dort, man glaubt nicht mehr in Berlin zu sein… . Von dort fuhr ich den Großen Jürgengraben entlang bis zum Spandauer Südhafen, überall dort ergaben sich sich schöne Fotomotive.

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Winterschlaf am Großen Jürgengraben vor Tiefwerder
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Spandauer Hafen

Abschließend radelte ich dann weiter über die Schulenburgbrücke entlang der Hermann-Oxfort-Promenade und später am Lindenufer entlang der Spandauer Havel, auch hier waren viele Spaziergänger unterwegs. Am Rathaus, der Spreemündung, der Schleuse Spandau und dem historischen Viertel Kolk vorbei bewegte ich mich weiter in Richtung Hakenfelde. Dort überquerte ich die Eiswerderbrücke, die Insel Eiswerder und radelte nun rechtsseitig am Havelufer noch weiter bis zur Spandauer-See-Brücke.

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Insel Kleiner Wall im Spandauer See, links am Horizont die Spandauer Altstadt mit St. Nikolai und Rathaus hinter der Eiswerderbrücke

Dort auf der Brücke gab es dann noch einen Fotostop und mein eigentliches Tagesziel Tegel, ließ ich aufgrund der fortgeschrittenen Zeit fallen. Ab dort radelte ich zum U-Bahnhof Haselhorst, fuhr mit der Bahn bis Bundesplatz und wegen der schon seit Wochen gesperrten U 9 nach Steglitz wieder auf vereisten Nebenstraßen bis nach Hause. Alles ging gut und ich Blicke auf einen phantastischen Wintertag in Berlin zurück, bitte mehr davon Petrus… .

Viel Spaß im Schnee für Jung und Alt im Stadtpark Steglitz, schon vor der Haustür

 

Zweiter Teil am 11.01.2026: Spandau – Hakenfelde – Tegelort -Tegel (24 km)

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Spandauer See vor der Eiswerderbrücke

… ich wurde erhört, Berlin erlebte seit meiner letzten Sonntagstour eine Woche im Dauerfrost, teils sogar im zweistelligen Bereich. Lediglich der angesagte Schneefall blieb aus, dieses kräftige Niederschlagsgebiet von Süden brachte ab Freitag ungewohnt starken Schneefall bis nach Brandenburg hinein, schaffte es aber nicht ganz bis Berlin. So kam zu dem Schnee der vergangenen Woche kaum etwas dazu. Es war aber ein eiskalter Sonntag bei strahlendem Sonnenschein angesagt, also beste Bedingungen um meine am letzten Sonntag in Haselhorst unterbrochene Tour nun zu vollenden.

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Badewanne im Eis

Gleich nach dem Frühstück fuhr ich per Regio von Lichterfelde-Ost direkt nach Spandau und kam dank dieser schnellen Verbindung schon um 10:00 Uhr dort an. Hier begab ich mich sofort zum Havelufer und machte mich auf den Weg nach Norden in Richtung Hakenfelde. Doch ich musste ständig anhalten und fotografieren, es war einfach zu schön!

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Innerhalb einer Woche ist der See komplett gefroren, Blick zur Insel Kleiner Wall und der Spandauer-See-Brücke dahinter
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Anleger Havelspitze an der Wasserstadtbrücke

In dieser einen Woche war die Havel zugefroren, das sieht man ja wirklich nicht mehr so oft. Die Sonne strahlte und ich hatte von Beginn an einen Riesenspaß dort am Fluss. So kam ich genau wie letzten Sonntag nur langsam voran. Besonders schön war es an der Schleuse Spandau, vor der Eiswerderbrücke und an der Havelspitze. Überall war die Havel gefroren, über den Maselakekanal radelte ich dann auf gefährlichen, vereisten Nebenstraßen vorsichtig bis zum Fähranleger Hakenfelde. Ich war mir nicht sicher, ob die einzige Autofähre Berlins auch bei diesen Bedingungen in Betrieb war, hoffte einfach darauf.

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Blick von Hakenfelde über die Havel nach Tegelort
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Blick von Tegelort zur Fähre

Meine Hoffnung wurde erfüllt, ich sah die Fähre schon von weitem beim Übersetzen. Dadurch steigerte sich meine Freude an diesem Wintertag nochmals, alternativ hätte ich zurück zur Wasserstadtbrücke fahren müssen. Die Fähre ist die nördlichste und letzte Havelpassage in Berlin.  So ging es vom Hakenfelder Aalemannufer in wenigen Minuten hinüber zum Jörsfelder Ufer in Tegelort und somit vom Bezirk Spandau in den Bezirk Reinickendorf. Tegelort ist ein wirklich idyllisches Ausflugsziel an der Havel, ein historischer, schon seit der Kaiserzeit beliebter Ort für einen Sonntag. Dementsprechend waren am Havelufer auch heute viele Spaziergänger unterwegs. Lediglich von der einst zahlreichen Ausflugsgastronomie hat sich hier leider nichts erhalten.

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Tegelort an der Landspitze
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Winteridylle am Tegeler See

Von der Landspitze Tegelort mit Blick auf die Insel Valentinswerder fuhr ich nun von der Havel weg, am Tegeler See auf dem Schwarzen Weg in Richtung Strandbad Tegel. Der Tegeler See war komplett gefroren, ich wagte mich mehrmals auf die Eisfläche und fand weitere schöne Wintermotive. Gegenüber liegen mit den Inseln Baumwerder und Scharfenberg weitere „Hingucker“.

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Strandbad Tegel

Gegen 12.30 Uhr erreichte ich mit dem Strandbad Tegel, rückblickend den Höhepunkt des heutigen Tages. Das Strandbad war geöffnet und so waren viele Spaziergänger hier am und auf dem See unterwegs. Sogar der Kiosk war geöffnet und es brannte ein wärmendes Feuer an der Sitzgruppe nebenan. Den Grund dafür sollte ich bald unten auf dem See finden, denn hier machten sich einige Leute mit Äxten auf dem Eis zu schaffen. Das waren Eisbader, die ihre Badestelle mühsam aus den Eis hacken mussten, was für ein Winterspektakel! Ich kam mit den Leuten ins Gespräch und beteiligte mich auch an dieser mühsamen Arbeit.

Das erinnerte mich an meine frühe Jugend, als wir auf unseren Gräben und Teichen in Jüterbog Eisschollen aushackten und dann als Mutprobe über diese sprangen. Wir nannten das damals „Schollenreiten“, mehrmals landete dabei jemand im Wasser (ich natürlich auch).

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Die freigehackte Scholle wird nun unter das Eis gerückt

Schneller, als gedacht war dann mit vereinten Kräften ein kleines Badebecken ausgehackt, die Scholle wurde einfach unter das Eis gedrückt und weggeschoben. Nun konnte das Event beginnen, es waren so viele Eisbader, das in drei Gruppen á 10 Leuten unter den Blicken der vielen Schaulustigen gebadet wurde. Jede Gruppe blieb ca. drei Minuten im, voll in der Sonne liegenden, Becken. Dadurch bekam ich diese Badeszenen im besten Licht vor die Linse (ich hatte die Genehmigung zum fotografieren der Aktion erhalten und sende meine Bilder auch an die Gruppe). Das Eisbaden könnte ich mir dort auch gut vorstellen, die Leute waren echt offen und nett, aber es ist einfach zu weit weg… .

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Spaß in der Eisbadewanne

Nach einem Glühwein am Strandkiosk machte ich mich dann auf den Weg in Richtung Tegel. Mein Weg führte nun an der Halbinsel Reihenwerder mit der historischen Borsig-Villa immer am Ufer entlang, infolge weiterer Fotostops kam ich auch dort nur langsam vorwärts.  Die Anzahl der Spaziergänger vergrößerte sich, je näher ich nach Tegel kam. Ich fuhr um die Bucht Große Malche direkt auf die berühmte Sechserbrücke über den Tegeler Hafen zu und musste wiederum anhalten und fotografieren.

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Ufer an der Malchebucht
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Blick über das Eis zur Sechserbrücke am Tegeler Hafen
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Greenwichpromenade in Tegel

Final radelte ich dann noch durch das Getümmel an der Tegeler Greenwichpromenade bis zum Seegarten, wo die letzten Fotos des Tages geschossen wurden. Ab dort begab ich mich zum S-Bahnhof Tegel, von wo mich die S25 direkt zurück in den Berliner Südwesten nach Lankwitz brachte.

Was für ein traumhafter Wintertag in Berlin, voller Eindrücke sitze ich begeistert vor meinem Rechner und beende nun diese Reportage.

PS: Für die kommender Woche ist Regen angesagt…