Frustabbau im Fläming und im Ostharz

30.04. und 01.05.2026 Flämingskate (48 km) und Erste Harzquerung von Nord nach Süd (78 km)

Gestern hatte mich die Deutsche Bahn wortwörtlich noch vor dem Einstieg in Südkreuz stehen lassen! Seit Tagen hatte ich mich auf eine Rückkehr in das Karwendelgebirge gefreut (die Fahrkarten nach München und zurück, waren schon Wochen vorher gebucht) und die phantastischen Wetterprognosen für diesen Tag steigerten meine Vorfreude noch mehr. Wie schon zweimal zuvor in diesem Jahr wollte ich den Nacht ICE 23:39 Uhr ab Südkreuz nehmen, doch beim dritten Mal ging es so dumm daneben, das man es kaum glauben kann. Als ich am Bahnhof ankam, wurde eine Verspätung von ca. einer halben Stunde angezeigt. Das ist bei diesem Zug kein Problem, denn auf der Nachtstrecke gibt es genug Zeitpuffer um trotzdem pünktlich am Ziel anzukommen. Auch als sich die Verspätung noch etwas vergrößerte war ich zwar genervt, aber noch nicht beunruhigt.

Doch das Drama sollte ganz plötzlich folgen! Die Einfahrt des Zuges war genau eine Minute vor Ankunft auf einen anderen Bahnsteig angezeigt worden! Fassungslos standen die Leute auf dem Bahnsteig und sahen den ICE schon auf dem falschen Gleis einfahren. Der Weg dorthin war unmöglich zu schaffen, da ja die Rolltreppen im Bahnhof schon seit Wochen außer Betrieb sind. Neben mir waren noch zwei weitere Leute mit Rad, dazu viele Reisende mit Koffern, die alle hinauf und hinunter rennen mussten um schon auf der Treppe zum Bahnsteig dem gerade abfahrenden Zug hinterherzusehen. Alle Leute waren einfach nur sprachlos und frustriert ob dieser Dreistigkeit (die Zugbegleiter wissen doch wie viele Fahrräder wo zusteigen, wissen auch vom Gleiswechsel – für mich eine der negativsten Erlebnisse bisher mit der Bahn überhaupt). Dienst am Kunden war hier mal wieder Fehlanzeige. So radelte ich in den frühesten Morgenstunden verärgert wieder nach Hause. Das Ganze muss ich auf diesem Weg einfach mal in die Öffentlichkeit bringen, was ist nur aus der Deutschen Bahn geworden ???

Frühlingstag am Fläming-Skate bei Jüterbog

Halbwegs ausgeschlafen radelte ich dann am Vormittag zurück zum Bahnhof um im dortigen Kundenzentrum diesen Vorgang zu klären, ich bekam auch problemlos eine Ersatzfahrkarte nach München und zurück, welche ich jederzeit nutzen kann. Nur die Züge sind über den Feiertag und das folgende Wochenende extrem voll und diesen Stress tue ich mir natürlich nicht an. Deshalb fuhr ich von dort gleich mit dem nächsten Regio nach Jüterbog um meinen Frust auf dem Fläming-Skate Radweg abzubauen. Dabei pflegte ich auch gleich das Grab meiner Eltern und habe so den Tag wenigstens noch etwas genutzt. Nebenbei habe ich mir für den heutigen Maifeiertag noch eine Harzquerung vorbereitet:

01.05.2026 Frose – Alexisbad – Stolberg – Berga (78 km)

Für die spontane Ersatztour hatte ich mir den Harz ausgesucht, der auch per Regio problemlos zu erreichen ist und deshalb keiner Buchung mit Fahrradreservierung bedarf. Heute wollte ich erstmals dieses Gebirge von Nord nach Süd überqueren und mir dadurch wenigstens etwas Bergluft gönnen. Wie schon gestern, so gab es auch heute einen sonnigen, wolkenlosen Maientag bei Temperaturen um die 20 Grad, erstmals T-Shirt Wetter in diesem Jahr (der mir dabei ordentlich Röte auf Gesicht und Oberarme bescherte, schließlich fuhr ich den ganzen Tag nach Süden).

Blütenpracht am R1 bei Falkenstein
Blick vom Radweg zur Konradsburg
Rapsblüte im Vorharz

Meinen Startort Frose erreichte ich nach Umstieg in Dessau und Aschersleben pünktlich um 8:40 Uhr. Frose hatte ich gewählt, weil ich ab dort die kürzeste Anfahrt hinein in den Ostharz hatte. So kam ich schon nach wenigen Kilometern auf den, schon absolvierten, Radweg R1 bei Ermsleben. Durch diese schöne Vorharzlandschaft fuhr ich mit einem eher ungewollten Abstecher auf dem Postweg zur Alten Ziegelei (ich folgte einfach dem Wegweiser zur Burg Falkenstein), welcher mir den steilsten, schwersten und unnötigsten Anstieg des Tages bescherte, durch den Bergwald hinauf. Das obwohl ich eine supergenaue Landkarte dabei hatte, das war wieder einmal typisch! Diese musste ich dann an der Querung einer Landstraße doch auspacken und erkannte dabei die Lage. Nun ging es wieder hinab nach Meisdorf zum R1, wo ich dann endlich in das Selketal einbog.

Blick auf Meisdorf
Frisches Grün im Selketal

Ab dort wurde es richtig schön, ich fuhr auf einem Rad-und Wanderweg direkt an der Selke sanft aber stetig bergauf. Die nächsten ca. 20 km waren wohl die landschaftlich eindrucksvollsten dieses Tages. Das frische Grün in diesem idyllischen Tal und vor allem die Stille genoss ich bei jedem Atemzug. Erster Blickfang über dem Tal war die Burg Falkenstein, welche schon oft als Kulisse für historische- oder Märchenfilme diente. Hier waren auch viele Wanderer und einige Radler unterwegs.

Blick hinauf zur Burg Falkenstein
Rad-und Wanderweg im Selketal
Die Selke bei der Selkemühle
Selkefall bei Alexisbad

Nächster Orientierungspunkt war dann die einstige Selkemühle, ab dort fuhr ich die schmale asphaltierte Straße der Selke folgend, hinauf bis Mägdesprung. Dort, wie auch im darübergelegenen Alexisbad, gibt es einige architektonische Zeugen aus der Gründerzeit, als diese Orte vor ca. 150 Jahren betuchten Sommerfrischlern Entspannung boten. Doch diese Epoche ist hier längst vorbei, in beiden Orten gibt es Leerstand und Verfall der historischen Bausubstanz.

Leerstehendes Prachtstücke, Kurhaus in Alexisbad
Selketalbahn

An einem dieser Zeitzeugen (dem einstigen Kurhaus, und späteren Reichsbahn Erholungsheim) am Kurpark in Alexisbad legte ich eine erste Rast ein, hier stieß mir besonders der Kontrast zu dem zu DDR-Zeiten errichteten, völlig überdimensionierten Hotelkasten auf. Was für ein Frevel, der Ort wurde in meinen Augen dadurch verunstaltet. Die nahende Selketalbahn lenkte mich dann schnell von diesen Gedanken ab, ich hörte die Dampflok direkt vor mir „schnaufen“. Schnell musste ich die Kamera herausholen um diesen Überraschungsmoment einzufangen.

„Passhöhe“ oberhalb von Straßberg

Von Alexisbad radelte ich weiter entlang der Selke durch Silberhütte bis Straßberg, dort verließ ich das Selketal um weiter hinauf in Richtung Großer Auerberg zu fahren. Hier erreichte ich mit ca. 500 Höhenmetern den höchsten Punkt des Tages, die „Passhöhe“ meiner Tour (leider versäumte ich einen Abstecher zum Gipfel mit dem imposanten Josephskreuz zu machen, davon las ich erst später). Nun ging es die nächsten 6 km steil hinunter bis hinein in das hübsche Fachwerkstädtchen Stolberg, ich befand mich nun im Südharz. In Stolberg fuhr ich Schlag 13:00 Uhr ein, Zeit für einen Stadtbummel und eine weitere Rast. Die Stadt kannte ich bisher nur von Bildern und war von der Realität dieses architektonischen Juwels sofort eingefangen. Nicht nur das gepflegte Stadtbild spricht an, hier spürt man auch Leben. Viele Ausflügler bevölkerten die Gassen um den Marktplatz, saßen in der Sonne und genossen das romantische Ambiente, welches vom Schloss hoch über der Stadt gekrönt wird.

Romantisches Stolberg, Blick durch die Niedergasse zum Schloss
Rittergasse und Saigerturm in Stolberg
Blickfang in der Niedergasse
Historisches Schweizer Postauto auf Harzquerfahrt in Stolberg

Stolberg verließ ich gegen 14:00 Uhr, die Abfahrt war jedoch noch längst nicht zu Ende, weiter steil hinunter nun entlang der Thyra führte die Straße bis in das 8 km entfernte Rottleberode. Von dort hatte ich einen super Panoramablick auf das gegenüberliegende berühmte Kyffhäusergebirge. Dieser Anblick weckte in mir die Lust auf eine Tour dorthin. Dem Flüsschen Thyra folgte ich nun auch auf den letzten 10 km, nun sanft fallend, bis in den Zielort Berga. Den hiesigen Bahnhof erreichte ich überpünktlich schon gegen 15:00 Uhr.

An der Thyra unterhalb von Stolberg
Blick von Berga zum Kyffhäusergebirge mit dem Kyffhäuser-Denkmal (links)
Blick auf Berga, dem heutigen Zielort

Nun befinde ich mich nach Umstieg in Sangerhausen und Magdeburg schon im Regio auf dem Weg nach Berlin und schaue auf einen gelungenen Radltag im Harz zurück, der Frust ist abgebaut – zufrieden kehre ich Heim und werde die ausgefallene Alpentour nachholen.