Spontane Fahrt durch das märkische Schlaubetal

15.04.2026 Müllrose – Schlaubequelle – Neuzelle (52 km)

Für den heutigen freien Tag hatte ich keine Ferntour gebucht, wollte stattdessen bei gutem Wetter eine Radtour im Berliner Umland unternehmen. Dieser Apriltag sollte den Prognosen nach mild und sonnig werden und ich entschloss mich zu einer Fahrt in das Schlaubetal im Landkreis Oder-Spree. Dieses Bachtal gilt als das schönste im ganzen Land Brandenburg und ich hatte es auch schon lange „auf dem Schirm“.

Blick über den Großen Müllroser See auf den heutigen Startort

Start war in Müllrose, einer hübschen Kleinstadt am gleichnamigen See, nach der üblichen Kaffeepause, gegen 10:30 Uhr. Dann ging es hinein in den Naturpark Schlaubetal, zunächst auf dem asphaltierten Radweg durch einen monotonen Kiefernwald. Dies sollte sich aber schon bald ändern, dafür wechselte ich ab der Ragower Mühle auf den Schlaubetal-Wanderweg. Das ist dort nicht so erwünscht, aber es war ja noch keine Saison und ich traf unterwegs nur ganz wenige Wanderer.

An der Ragower Mühle
Erlenbruch unweit der Mühle
Die Schlaube am Mäanderblick

Dieser Weg brachte mich direkt in ein wildromantisches Flusstal, welches für Brandenburg untypisch, ja fast wie im Mittelgebirge wirkt. Ich war überrascht und begeistert angesichts dieser Landschaftsidylle. Ein ursprünglicher Wald mit teils uralten Erlen, Eichen und Buchen charakterisierte diesen Naturpark auf seiner ganzen Länge. Es gab Feuchtwiesen, Erlenbrüche, Moore, Seen und steile Hänge in dieser Wildnis – dazu diese unglaubliche Stille. Der schmale Wanderweg führte meist direkt an oder über der Schlaube „über Stock und Stein“, gespickt mit Wurzeln, auch mal Sand – also schweres Gelände. Deshalb kam ich langsamer als sonst voran (glücklicherweise hatte ich auch heute das Mountain-Bike gewählt). Auch in diesem Frühjahr hat es bisher viel zu wenig geregnet, was aber sehr vorteilhaft bei meiner heutigen Fahrt durch diesen Wald war. Doch nicht nicht nur der Untergrund bremste mich, dazu kamen unzählige Fotostopps an der Strecke um die Schönheit der Landschaft einzufangen.

Blick zum Kupferhammer
Fischtreppe am Kupferhammer

Deswegen brauchte ich schon eine Stunde bis zum Kupferhammer, der nächsten historischen Mühle an der Schlaube. Erstaunlich, das Thema Wassermühlen hatte ich doch erst auf meiner letzten Tour vor zwei Wochen in Thüringen und nun auch hier in Brandenburg! Ich sollte an diesem Tag 6 von 7 Wassermühlen passieren (im Gegensatz zur Thüringenfahrt gab es leider keinerlei Bewirtschaftung dort). Doch ich war darauf vorbereitet und hatte genug Proviant dabei.

Ufer am Langesee
Blick zurück über den See

Oberhalb der Kupfermühle wurde die Schlaube breiter und bildete den Langesee, dessen Ufer mich die nächsten, schönen Kilometer begleitete. Unzählige umgestürzte Bäume lagen dort im See, Natur pur und ein Paradies für Wasservögel, Reptilien und Insekten. So ein wildes Tal, fast vor den Toren von Berlin – erstaunlich, fast unwirklich! Hier am Seeufer hielt ich dann auch meine erste Brotzeit.

Wegweiser am Großen Treppelsee
Großer Treppelsee
Planfließ vor der Mündung in die Schlaube
Schlaube an der Bremsdorfer Mühle

Die nächste Wegmarke erreichte ich mit dem Forsthaus Siehdichum, namensgebend hoch über dem Tal gelegen. Nun folgte mit dem Großen Treppelsee ein weiterer langgezogener See an der Schlaube, dieser reichte bis zur Bremsdorfer Mühle. Ab dort wurde der Wanderweg noch enger, wilder und einsamer. Geradezu spektakulär radelte ich vorsichtig den schmalen Weg über der Schlaube entlang. Auf den nächsten Kilometern bis zur Kieselwitzer Mühle begegnete ich niemandem, immer wieder gab es tolle Motive zu fotografieren. Alles blieb hier unberührt, mehrmals musste ich über umgestürzte Bäume steigen, genauso sah es auch unten an der Schlaube aus. Das hatte ich mir bei Weitem nicht so schön vorgestellt, was für eine gute Entscheidung den Wanderweg gewählt zu haben.

Wildes Schlaubetal oberhalb der Bremsdorfer Mühle
Schmaler Wanderweg über der Schlaube
An der Kieselwitzer Mühle

Glücklich, ob dieser Eindrücke erreichte ich die Kieselwitzer Mühle. Nun war es schon nach 14:00 Uhr und Zeit für eine weitere Rast. Der letzte Abschnitt des Schlaubetal-Wanderwegs führte dann bis zur Schlaubetalmühle, dort endete auch die hervorragende Beschilderung.

Schmale Schlaube an der Schlaubemühle
An der Schlaubequelle, teils trockenes Bachbett
Nasser Talboden, Ursprung der Schlaube

Nun wollte ich aber noch etwas weiter hinauf bis zur Schlaubequelle fahren, dort im Wald gab es keinerlei Hinweis auf diesen Ort. Dank meiner Karte kam ich aber doch bis in diesen Talboden. Hier fand ich ein kleines Rinnsal welches sogar schon teils ausgetrocknet war und mir als Quellort reichte. Anschließend folgte ein kilometerlanger Abschnitt durch den Wald, hier musste ich mich einzig auf meine Orientierung verlassen. Das gelang mir trotz vieler Kreuzungen und Abzweigungen recht gut (die Sonne schien ja wirklich den ganzen Tag und half zusammen mit der Karte die ungefähre Richtung zu halten. Ich kam tatsächlich vor dem angepeilten Dorf Treppeln aus dem Wald heraus, großartig! Die erste Siedlung seit dem Start in Müllrose, sonst bewegte ich mich ausschließlich in der Natur.

Blick über den Klosterteich auf das Kloster Neuzelle, links die Klosterbrauerei

Für das letzte Stück bis zum Ziel nutzte ich den Radweg Mönchstour, der über Kobbeln und Mörbiskruge straßenbegleitend, bis hinein nach Neuzelle führte. Hier war ich mit Elke vor vielen Jahren schon einmal auf einer Radtour entlang des Oder-Neiße-Radwegs. So wusste ich genau, wo ich hinzusteuern hatte um die Ankunft und den Tag zu feiern: Direkt zum Kloster Neuzelle mit der Klosterbrauerei und dem Garten den Klosterklause. Was für ein schöner Abschluss. Das Barockkloster ist ein kleines architektonisches Wunder in der Mark Brandenburg, es hebt sich mit seiner hellen, südlichen (nach böhmischem Vorbild) Gestaltung deutlich von der typischen Backsteinarchitektur ab.

Vom Kloster wurde im Mittelalter auch die Erschließung des Schlaubetals durch den Bau der Wassermühlen begonnen, so schließt sich hier auch der Kreis dieser Tour (die Schlaube mündet übrigens im Startort Müllrose in den gleichnamigen See).

Zufrieden beende ich nun diese Reportage im Regio auf der Fahrt nach Berlin.

Schön war’s jewesen!