Perfekte Karfreitagstour in Thüringen

03.04.2026  Weimar – Jena – Stadtroda – Bad Klosterlausitz – Crossen (Elster) 80 km

Saaletal im Süden von Jena mit Blick zum Spitzberg

 

Da ich schon Wochen vorher keinen Fahrradplatz in den ICE ’s nach Bayern für den heutigen Feiertag mehr bekommen konnte, entschloss ich mich zu einer Fahrt in das nahe Thüringen. Das erwies sich rückblickend als eine überaus geglückte Wahl (in den Alpen hat es in der letzten Woche nämlich reichlich Neuschnee bis in die Tallagen gegeben).

Mein Plan B war, ab Weimar an der Ilm dem Radweg Thüringer Städtekette über Jena und das Saaletal bis nach Crossen an der Weißen Elster zu folgen und damit einen weiteren Abschnitt dieses, deutschlandweit als D4 Mittellandroute geführten Radweges zu absolvieren. Damit ergab sich auch eine Querung dieser drei wichtigen thüringischen Flüsse.

Neptunbrunnen vor dem Rathaus in Weimar mit Osterschmuck
Blick über die Ilm zum Stadtschloss Weimar
Radweg durch den Park an der Ilm an Goethes Gartenhaus

Start war, nach Anreise per ICE bis Leipzig und Umstieg in Naumburg, gegen 10:00 Uhr in Weimar. Dort gönnte ich mir zuvor die übliche Kaffeepause, hier direkt am Theaterplatz vor dem berühmten Dichterduo und dem Deutschen Nationaltheater. Weimar, diese geschichtsträchtige, gepflegte Kulturstadt mag ich ja ganz besonders gern. Hier bin ich schon zweimal beim Radeln am Ilmtal-Radweg durchgekommen und jeder dieser Stopps war schön. So war es auch heute, ich radelte deswegen schon vergnügt auf bekannten Wegen durch den Park an der Ilm an Goethes Gartenhaus und dem Römischen Haus vorbei, den Fluss hinauf bis Mellingen. Dort verließ ich das Ilmtal und fuhr dem Städteketten-Radweg folgend hinauf über Lehnstedt und Großschwabhausen in Richtung Jena. Hier oben setzte Nieselregen ein, der sich aber nicht länger als eine Stunde hielt und schon ab Mittag für einem freundlichen Frühlingstag sorgte. Passend zu den Osterfeiertagen, waren die Dörfer dort geschmückt und auf den Feldern erblickte ich zudem einige der „Langohren“.

Ilmwehr vor der Malzdarre in Mellingen
Blick vom Radweg auf den gegenüberliegenden Obstbaumhang bei Lehnstedt
Blick vom Radweg hinunter auf Lehnstedt

Der höchste Punkt war in Großschwabhausen erreicht und ab dort fuhr ich am Haselbach und weiter der Leutra folgend hinunter bis zur Saale in Jena. Dabei genoss ich bis hinein in die Universitätsstadt eine kilometerlanglange Abfahrt. In Jena nahm ich mir Zeit für eine kleine Fototour durch die Innenstadt (hier war ich schon bei meinen Touren entlang das Saale-Radwegs) und verbrachte meine Brotzeit auf dem hübschen Marktplatz.

Lange Abfahrt entlang der Leutra vor Jena
Frühling in Jena-West
Gelungener Architekturmix am Marktplatz in Jena
Blick über die Saale in Jena zum Jenzig (385)

Anschließend radelte ich der Saale folgend wieder auf bekannten Wegen bis Lobeda, wo ich auch dieses Tal verließ und ab dort weiter auf dem Radweg Thüringer Städtekette hinauf in Richtung Stadtroda. Diesmal gab es einen langen aber moderaten Anstieg zu meistern, zunächst entlang der Roda bis Stadtroda und anschließend den Zeitzgrund hinauf. Hier wurde es richtig schön, ein Waldweg führt dort direkt am schmalen Zeitzbach hinauf durch einen dichten Bergwald.

Osterschmuck in Zöllnitz
Blick vom Radweg über die Roda auf Gernewitz
Im idyllischen Zeitzgrund
Biber haben ganze Arbeit geleistet, und den kleinen Zeitzbach aufgestaut
Ausflugsziel Papiermühle im Zeitzgrund

Ich kam dabei in eine beliebte Ausflugs- und Wanderregion, welche mir völlig unbekannt war. Das sind die Überraschungen auf der Strecke, welche ich besonders liebe! Hier reihte sich eine historische Wassermühle an die andere. Aus denen sind inzwischen Ausflugslokale geworden, welche natürlich an solchen Tagen gern besucht werden. So waren hier oben viele Spaziergänger und Wanderer unterwegs.

Romanische Klosterkirche in Bad Klosterlausitz

Den höchsten Punkt und damit auch die kleine Wasserscheide zwischen Saale und Elster erreichte ich in Hermsdorf auf ca. 350 Höhenmetern. Ab Weißenborn folgte nach ca. 20 Kilometern Steigung nun eine tolle Abfahrt durch das Mühltal entlang der Rauda bis hinunter zur Weißen Elster. Dieses Tal war genau so schön und mit vielen historischen Wassermühlen gespickt (ich habe noch nie so viele Mühlen an einem Tag passiert). An der Pfarrmühle legte ich eine letzte Rast ein und nahm dort noch zwei frisch geräucherte Forellen mit nach Hause.

Meuschkensmühle im Mühltal
Rauda im Mühltal
Mühlrad der Pfarrmühle
Blick hinab zur Amtsscheibersmühle
Steile Abfahrt zur Weißen Elster an der Schlössersmühle

Zufrieden und glücklich erreichte ich mit dem Bahnhof Crossen mein Tagesziel und hatte sogar noch Zeit für einen Abstecher zur historischen Steinbogenbrücke an der Weißen Elster dort (auch den Elster-Radweg habe ich vom Vogtland bis hinunter zur Mündung in die Saale bei Halle schon „abgehakt“).

Weiße Elster in Crossen
Elstertal in Crossen, links die Steinbogenbrücke

Nun sitze ich nach Umstieg in Leipzig in meinem gebuchten ICE nach Südkreuz. Am Leipziger Hauptbahnhof wurde es noch einmal richtig spannend, als ich leicht verspätet ankam und sich die ohnehin knappe Umsteigezeit auf 4 Minuten verkürzte. Da gab es nur eine Lösung: Verbotenerweise musste ich einen Sprint auf dem Rad quer durch den riesigen Bahnhof einlegen, um meinen Bahnsteig und den richtigen Waggon noch vor der Abfahrt zu erreichen. Dieser fuhr tatsächlich pünktlich 18:13 Uhr ab, ich schaffte es ganz knapp und kam so noch bei Tageslicht in Südkreuz an.

Mehr geht nicht: Wetter gut, die Wegführung und Beschilderung sehr gut, Landschaft wunderschön, sogar der Wind passte. So schaue ich auf einen perfekten, unvergesslichen Karfreitag 2026 in Thüringen zurück.